Horizont – 2018

Horizont
Möhnesee, Germany
April/2018

Das Kunstobjekt „Horizont“ von Harald R. Brörken steht auf der Schnittstelle von Kreidezeit und Karbon. Hier taucht der Schiefer des Sauerlands unter dem Kalkstein der Börde hervor. „Horizont“ beschreibt diese Situation. Unter einem Dach aus Kalkstein findet sich eine schwarze Steinschale, die den Schiefer symbolisiert. Diese Schale trägt Wasser, ebenso, wie der Schiefer eine
wasserführende Schicht ist.

The object „horizon“ by Harald R. Brörken stands on the interface between the Cretaceous and the Carboniferous. Here, the slate of the Sauerland emerges under the limestone of the Börde. „Horizon“ describes this situation. Under a limestone roof is a black stone bowl that symbolizes the slate. This bowl carries water, just as the slate is a water-bearing layer.

Rebekka Schulte
Horizont

Da. Dort. An der Böschung. Hier. Genau hier! Hier zwischen den alten Eichen.
Im kleinen Eichenwald. Genau hier! So hat er sich das gedacht und erdacht.
Vor langer Zeit. An den Hang geschmiegt. Den Blick die Böschung hinunter.
Hier ist es gut so.
Da ist er, Harald Brörken, genau.
Im Rücken das alte Heiligenhäuschen: Voller Geschichte. Besetzt. Beladen. Beraubt. Die Tür steht auf. Leere. Man glaubt es kaum!
Doch hier. Genau hier. Hier ist der Ort. Da sei er! Genau hier, wo sich die Schichten, die Gesteinsschichten, die Geschichten kreuzen. Untereinander Schieben. Verschieben. Haben Sie es schon erspürt? Sich sensibilisiert für diesen Ort? Wir können dies. Welche Kraft, welche Wucht. Langsam. Kreide und Karbon. Sandstein und Schiefer! Gesteinsschichten. Eine Schnittstelle. Hier wird sie nun bewusst. Dafür hat er gesorgt, das ist ihm ein Anliegen.
Die Fülle ist nach vorne getreten! Das Objekt „Horizont“ steht nun dort_hier. Es bezeichnet den Ort. Ein Verweis. Landschaft zeichnet sich so in einem ästhetischen Empfinden ab, wird sichtbar durch die Benennung der Stelle.
Wahrnehmbar. Es kultiviert sich ein Ort. Es tut sich etwas auf! Vorher nicht da.
Nun eine Beschäftigung mit ihm möglich. Das zu-Grunde-liegende schlägt sich in der Materialität nieder.
Die horizontale Rampe an der Böschung, am Hang mit Aussicht, von hölzernen Stelen auf Steinsockeln getragen, die den Durchblick zulassen. Alles wirkt klar und zeugt von bedachtem, durchdachtem handwerklichem Geschick.
Begründet. Gesammelte Lösungen und Erfahrungen aus langen Zeiten. Da ist er genau, Harald Brörken. Konzentriert in einem ästhetischen Verständnis, einem Verstehen. Und stellt dies uns dar!
Darauf, auf der Rampe, eine Art Schrein, eine Behausung mit Dach aus Steinplatten. Ganz pur und notwendig. Nur das Notwendigste. Aber üppig.
Alles hölzern und steinern und praktisch.
Das Oben und Unten.
Diese Form auf den Stelen, auf der Rampe, sie beheimatet das scheinbar Kostbare. Ganz einfach.
Eine hölzerne Tür, welche sich dem Blick, der Weite, dem Tal, der Welt öffnen kann. Spannend, dieser Moment. Dieses Können. Wem öffnet sich die Tür? Wer darf dies?
Ein Spiel mit dem Ahnen, mit dem Vagen, mit dem Nicht-wissen. Mit der Geduld.
In einer überhöhenden Handlung, im Ritus, im Zelebrieren, da darf es geschehen. Archaisch anmutend. Ästhetisch in der Ausführung. Wohl komponiert. Bedacht.
Ganz besonders -in der Tradition- der einen vorbehalten und derer die sie bestimmt. Der Mensch darf im Tun, in der Interaktion ein Teil dessen sein, was sich dem Thema Mensch und Landschaft widmet und in dieser Architektur einen Ausdruck gefunden hat.
Das Regelwerk besagt folgendes: wenn es regnet darf, der sich in der Behausung, im Innen, befindliche Wagen, auf der sich eine Schale aus Stein befindet am Tau von vorne nach außen unter den freien Himmel gezogen werden. Ausfahren. Sich präsentieren.
Die Schale aus Stein auf dem Wagen von Holz. Dort soll sie voll regnen.
Warten. Im Regen? Es regnet. Sodann, in Fülle wird sie von Hinten wieder in die sichere Behausung gezogen.
Die Türe wird geschlossen und der Regen darf geschützt verdunsten. Leere und Fülle. Fülle und Leere. Das Augenmerk auf den Regen. Auf das Nass, auf das Wasser. Auch darunter. Vor. Hinter. Raus und hinein. Am Horizont der Wald, der See. Eine Aussicht. Können Sie sich das vorstellen? Spüren sie nach. Der Spur.
Ein Ort wurde erschaffen. Eine kulturelle Handlung dazu erdacht. Eine Bedeutung für etwas geschaffen; etwas sichtbar machen, was scheinbar nur scheinbar ist.
Und nun zum Ende hin möchte ich aber auf das Humorvolle im Werk von Harald Brörken hinweisen. Mit welch feister Sicherheit er uns ganz listig in sein Gespinst mit einwebt.
Meint, dass da etwas wäre. Ganz zauberhaft tut er es. Mit dem Verweis auf das Alte, mit dem festen Glauben daran. Da lässt er dieses neue Gebäude, dieses Objekt nach vorne stolpern. Lässt das Alte „mirnichtsdirnichts“ dahinter liegen und präsentiert sich ganz fein.
„Horizont“ huldigt dem Regen, sach bloß!

Rebekka Schulte
April 2018